Chile

Datum: Sonntag, 11. August 2019, Position: Hostal Maria's Casa, La Serena, Chile, Stimmung: Top!!

Kurzes Update zu Chile

Frühling bei Maria
Frühling bei Maria

Ihr Lieben, Schönen und Guten!


Wir hatten beschlossen, uns durch die Kälte in Chile, schließlich ist ja noch Winter hier, durch auszuruhen und langsamer zu reisen. Deshalb sind wir hier in La Serena und besonders wegen Maria, der Hostalbesitzerin und Mamasita, ihren zwei Söhnen Mauritio und Andres und dem Onkel Pancho, seines Zeichens Schumachermeister, hängen geblieben. Zudem gibt es hier eine Küche, in der wir fleissig kochen, einen schönen Garten und bestes Wifi. Alles, was das Herz und das Budget begehrt. 


La Serena ist eine Universitätsstadt und erinnert uns an Heidelberg. Nette kleine Altstadt um den Plaza gelegen, einem Wochenmarkt mit tollen Früchten und Gemüse und freundlichen Menschen. Die erste Stadt in Chile, die uns so richtig zusagt. Iqueque und Caldera waren ja eher Ferienorte statt einer Stadt, in der gearbeitet, studiert und gewohnt wird. Doch auch hier gibt es einen Meeresabschnitt mit Hotelburgen. Gerade nicht viel los da und auch nicht ganz so unsers. Winter eben.


Von Caldera wollten wir die Küstenstrasse in Richtung Süden nehmen, doch Nebel und deshalb kalt, ließen uns unsere Idee verwerfen. Die Strasse am Meer entlang zeichnete sich durch einen Belag aus, der Pavamiento basico genannt wird.  Durch die Luftfeuchtigkeit war er ziemlich rutschig. Das machte Toshi wenig Freude. Stattdessen nahmen wir dann die Ruta 5, um Strecke zu machen und erreichten La Serena in einem Fahrtag.


Pancho hieß uns freudig willkommen. Denn er mag Deutsche, weil er mal 7 Jahre in Köln und Bonn lebte. Er ist mit einer Deutschen verheiratet. Am zweiten Tag unseres Aufenthaltes reparierte er die Motorradstiefel von Toshi und klebte die Isolierung am Rollstuhl wieder fest. Außerdem bekamen unsere Schuhe mal Fett. Welch Freude!


Mauritio sieht original aus wie Mr. Bean. Es ist einfach unmöglich, ihn ernst zu nehmen. Gestern trafen wir ihn im Supermarkt, und er fragte uns, ob es zu Hause Zucker gäbe. Schmunzel.


Morgen geht es nach Salamaca in Chile. Wir sind von Alexander eingeladen worden, ihn zu besuchen. Er hat eine Werkstatt, in der Toshi das sich langsam verabschiedende Schwenkergelenk ersetzen wird. Alexander kennen wir bisher nur durch facebook. 


Tja, und mehr gibt es eigentlich nicht zu erzählen. Doch: Erste Anzeichen für den heiß ersehnten Frühling im Garten von Maria. Der wird uns irgendwann Wärme bescheren.


Wir lieben und vermissen Euch!


Heike und Toshi 







Datum: Montag, 5. August 2019, Position: Hostal Qapaq Raymi, Caldera, Chile, Stimmung: Top!!

Chile

Mano del desierto, Atacama Wüste
Mano del desierto, Atacama Wüste

Ihr Lieben, Guten und Schönen! 


Heute bin ich dran mit dem Hochladen von Bildern. Und möchte noch gleich ein paar Gedanken zu der letzten Woche loswerden. Beim Reisen ist das so’ne Sache aktuell zu bleiben. Viele kleine Eindrücke verschwinden, wenn ich es nicht gleich niederschreibe. Doch lange Fahrtage und Aktuell geht nicht gut zusammen. 


Am Abend durchgefroren und glücklich ein Bett gefunden, schnell noch etwas zu abend gesucht oder eingekauft und gekocht zu haben, ist die Freude auf ein Bierchen und ein “Wie waren deine Eindrücke heute so?” doch zu verlockend, um sich an eine produktive Arbeit wie einen blogeintrag zu machen oder gar Bilder hochzuladen. Denn das ist langwierig und darf nicht unterbrochen werden, weil sonst vielleicht alles weg ist und die ganze Arbeit für umme. 


Seit einer Woche sind wir nun eher mit Wüste fahren beschäftigt. Oder auf der ruta 1 am Meer entlang fahrend mit Wüste auf der anderen Seite des Motorads. Die Bilder geben die gesehenen Unterschiede kaum her. Es ging auch viel geradeaus, was auf Tage gesehen, doch ein bisschen ermüdend ist. Am Meer zu fahren, war dann doch mal eine gekonnte Abwechslung. Der Pazifik ist ja ein ganz wildes Wasser! 


Die Städte und Dörfer sind eher unspektakulär bis langweilig praktisch. Wenig bunt. Außer der doch zum Teil beeindruckenden Häuser aus Holz wie in Iquique. Fast wie Westernstädte. In den kleinen Dörfern am Meer ist touristisch gesehen nicht viel los, und deshalb haben alle ihre Geschäfte eingestellt, Restaurants geschlossen, Fähren Winterpause und keine Fischer weit und breit in Sicht, die uns zur Insel Pan de Azucar mit den Pinguinen bringen könnten. 


Hostal- oder Hotelbesitzer scheinen allesamt auch in einen Winterschlaf gefallen zu sein. Und wenn wir anfragen, gucken die meisten nur mit einem halben Auge offen und sehr verschlafen aus der Wäsche. Meistens gibt es ein unbemühtes “Voll” und die Tür schliesst sich. 


Zum Glück fanden wir dann doch immer noch ein nettes Plätzchen mit sehr netten Menschen. Besonders hier im Hostal Qapaq Raymi in Caldera. Gestern wurden wir mit einem Bildband über die Atacama Wüste reich beschenkt. Eine Atacama Wüste, die alle 5 Jahre bunt erblüht, wenn es mal einen Tag regnet. Ein Traum! Kaum vorzustellen, wenn man ihren Zustand im Moment in Betracht zieht. Staubtrocken und eher über Hunderte von Kilometern gleich.


Wenn es nachts nicht so kalt wäre, dann würden wir ja campen. Denn das tut jeder Fernreisende hier. Und, das geht auch gut. Denn überall kann man sich gut hinter Steine verstecken oder am Meer sein Zelt aufschlagen. Das ist erlaubt.


Betrüblich für uns sind die Unkosten für Sprit, Unterkunft und Essen gehen. Unser tägliches Budget reicht im Moment nicht aus. Nach den Monaten, in denen unser Budget locker reichte, verzichten wir jetzt eher mal auf etwas. Muss jetzt nicht sein, beschließen wir. 


Empanadas sind günstig, gross und super lecker hier in Chile. Die lassen wir uns gerne schmecken. Der Kaffee ist löslich. Und wenn man einen guten will, dann kostet der man eben 6 Euro. Uff. Der Liter Benzin 1,03 Euro. Die letzten Monate, außer in Bolivien kamen wir nicht über 60-80 cent. Einfachste Unterkünfte ohne Bad fangen bei 26 Euro an. In den übrigen Länder waren wir sehr oft unter 18 Euro mit eigenem Bad. Kleinvieh macht auch Mist!  


Sehr interessant sind die Friedhöfe mitten in der Landschaft mit gehörigem Abstand zum Dorf, die ihr auf manchen Bildern sehen werdet und die Totengedenkstätten, die hier fast immer mit Sitzgelegenheiten, Fahnen, Bildern der Verstorbenen, Trockenblumen, gerne Marienfiguren versehen sind. Andere mit Bauhelmen oder Pylonen. Immer wieder finden sich auch kleine Kirchen am Strassenrand mit Marienstatue. Denn für alles, ob man nun ein neues Auto oder die Strasse sichern möchte, existiert eine eigene Virgin, der gehuldigt wird.


Das war es heute von mir! Jetzt such ich mal schöne Bilder für euch raus. Mit Vergnügen übrigens. Wir lieben und vermissen euch! Heike und Toshi

















































Datum: Donnerstag, 1. August 2019, Position: Hostal Herbe, Antofagasta, Atacama, Chile, Stimmung: Gut!

I’ve been through the desert on a horse with no name…

Tja. Ihr Lieben, wenn die Strecken lang werden, fängt man an zu singen. Gut, dass Ihr das nicht hören könnt!


Durch die Wüste fahren, das kann sich ziehen. Ja, wir haben Umwege, Abwege gesucht, um die Fahrt etwas abwechslungsreicher zu gestalten.

Doch während es in der Atacamawüste auf Höhen zwischen 800 und 1200 Metern einigermaßen angenehm warm ist, zum Teil bis an die Grenze zu, “Oh, ist mir heiß!”, wird es Richtung Küste zuverlässig kühler, bis richtig kalt. Pest oder Cholera. Und die Distanzen zwischen möglichen Unterkünften sind lang. Mehrmals haben wir jetzt über vierhundert Kilometer am Tag hinter uns gebracht.

Ja, in der Wüste ist es warm, windig, und es ist unglaublich trocken. Die Atacama gilt als eines der trockensten Gebiet der Erde. Und wir trinken dementsprechend viel, und sind froh über den Camelback, den kleinen Trinkrucksack, der immer griffbereit ist, und aus dem ich sogar während der Fahrt einen Schluck nehmen kann.


Es geht viel geradeaus. Es geht immense Strecken bergab und wieder bergauf, wenn ein Wüstental durchquert werden muss. Dann schlängeln sich die Straßen zum  Teil über zig Kilometer an den Hängen der Dünen entlang. Laster werden gewarnt, in niedrige Gänge zu schalten, und tuckeln dann im Schrittempo bergab. Gut zum überholen, denn man kann gut sehen, ist schnell vorbei, und es ist auch nicht besonders viel Betrieb hier.

Wie anders die Panamericana hier doch ist! Wunderbar guter Belag, kaum Verkehr, kaum Müll am Straßenrand. Apropos Müll: An einer Raststätte (d.h. Mirador, also Aussichtspunkt) treffen wir Raymundo, den Reinemacher der Straße. Er wird von einem Kleinlaster irgendwo mitten in der Wüste abgesetzt, und sammelt dann die Straße entlang den Müll in einen großen schwarzen Sack. Wir reden kurz mit ihm, machen (ernstgemeinte) Komplimente, wie schön sauber die Straßenränder hier sind, und wie sehr das doch zu unserem Naturerlebnis beiträgt, die Landschaft ohne Müllberge genießen zu können. Als wir weiterfahren, kommt uns sein Kleinlaster wieder entgegen, und alle Insassen winken uns zu.

Hier in Antofagasta finden wir wieder erst nach längerem Suchen gute Unterkunft. Teuer zwar, aber Hernando, der Besitzer der Hospedaje Herbe Suites ist super nett und fährt selbst Motorrad. Also sind wir sehr willkommen, unsere Dicke neben seine Harley sicher abzustellen. Und auch das Zimmer ist in Ordnung, ebenso wie die kleine Küche, in der wir uns Fertiglasagne warm machen. Lohnt sich wirklich nicht, das Zeug zu kaufen, das für eine italienische Firma in Belgien hergestellt, und nach Chile exportiert wird. Dann doch lieber Brot mit Käse essen. Beides direkt von hier.

Die letzten drei Nächte haben wir in Iquique verbracht. Eine ganz angenehme Stadt, die, anders als viele andere Hafenstädte hier, keinen ungemütlichen oder gar heruntergekommenen Eindruck macht. Nein, hier gibt es (neben den überall dazwischen gebauten Wellblech- und Sperrholzbauten) einige an Westernfilme erinnernde historische Holzbauten. Sie sind ein- bis zweistöckig, und stehen in hübschem Kontrast zu den wenigen steinernen Bauten im Kolonialstil. Das Spanische Kasino und der Kroatische Club sind an der Plaza wirklich prominente Beispiele, neben dem Städtischen Theater und dem Uhrturm, der allerdings nur so aussieht, als wäre er aus Stein. Bei näherem Hinsehen erkennt man, dass das gesamte Gebäude ebenfalls ein Holzbau ist. Mit viel Gips und Verputz auf “Stein” gemacht.

In Iquique wohnen wir im Hotel Mediterraneo bei Rodolfo, dem Surfer, der immer in kurzen Hosen herumläuft, eines Morgens flugs sein Board auf den Kleinwagen schnallt, und uns mitteilt, dass er nun an den Strand zum Surfen fährt. Entsprechend relaxt und freundlich ist die Atmosphäre hier. Es gibt eine kleine Teeküche, aber kochen können wir leider nicht.

Unser erster Tag, an dem wir eigentlich einiges erledigen wollten, fällt dem Reiseblues zum Opfer, der uns beide auf einmal voll im Griff hat. Wir überlegen, wie wir mit unserem Budget hinkommen sollen, und ob wir nun lieber schnell nach Süden, eher ins Landesinnere oder an der Küste entlang fahren, Zelten versuchen, oder doch einfach täglich das Budget reißen sollen?

Wenn Du darüber nachdenkst, während der Reiseblues Dich am Wickel hat, kann nichts Gutes dabei herauskommen. Also hängen wir noch eine Nacht dran, und am nächsten Tag spazieren wir erst einmal ausgiebig durch Iquique. Bank, Geldwechsel, Markt, Drogerie… 

Die Freihandelszone von Iquique mit zollfreien Waren aus aller Welt finden wir zwar nicht, aber das spart uns wahrscheinlich auch Geld. Denn wirklich brauchen tun wir eigentlich nichts…

Dafür finden wir den Fischereihafen und die Restaurants im ersten Stock des Fischmarkts, von denen aus man den Fischern zusehen kann, wie sie Ihre Boote reparieren, Netze flicken, und Ihren Fisch verkaufen. Und wir essen das erste Mal in Chile für richtig günstig Geld im Restaurant, und noch dazu richtig guten Fisch. Herrlich!

Eine Sache fällt in Chile auf: Hier gibt es Bürgersteige, die den Namen verdienen. Schön glatt, breit und ohne Löcher. Man kann wunderbar mit dem Rolli flanieren, die meisten Übergänge sind abgeflacht. Und egal, ob man gerade über die Straße möchte, oder nicht, wenn man mit dem Rolli nahe einem Übergang steht, halten die Autos, und wollen einen hinüber lassen.

Trotzdem bleibt einstweilen das Gefühl zu diesem Land irgendwo in der Schwebe zwischen angenehm, weil etwas weniger rau als die vorigen Länder, und dem Unbehagen angesichts der Preise.

Hier im Norden kommt noch die Wurschtigkeit hinzu, mit der man uns abweist, wenn wir Unterkunft suchen. Wenn der Parkplatz eines großen Hostels vollkommen leer ist, glaube ich leider kein Wort, wenn uns gesagt wird, man sei ausgebucht. Echt, mal!

Wir hoffen, dass es gen Süden anders wird. Der Norden ist stark durch die Minenindustrie geprägt. Die Minenbetreiber brauchen Platz für die Wanderarbeiter, und zahlen offenbar recht gut. Und die Mineros dürften einen eher rauhen Ton gewöhnt sein. Freundlichkeit ist vielleicht einfach nicht angesagt.

Ihr Lieben Zuhause und im Rest der Welt. Das wars einstweilen. Wir hoffen, dass es Euch gut geht. Wie Ihr wisst, schlagen wir uns auch durch die etwas zäheren Teile der Reise immer wieder durch, und dann wird am Ende alles gut. Und wenn es nicht gut ist, ist es eben auch noch nicht das Ende. In diesen Sinne, bis bald!


Eintrag erstellt am Montag, 5. August 2019

Datum: Sonntag, 28. Juli 2019, Position: Hostal Prat, Arica, Nordchile an der Peruanischen Grenze, Stimmung: Mittel!

Beeindruckender Weg an die Küste, und etwas Ernüchterung

Tja, liebe Freunde und Verwandte,


da sind wir nun in Chile! Nach unserem ganz ursprünglichen Plan sollte das ja das letzte Land in Südamerika sein, das wir bereisen, um dann über Russland heim zu fahren. Aber das ist ja ganz schön lange her!


Nun, wir haben heute die Grenze nach Chile passiert. Die Lastwagenschlangen stauen sich im Niemandsland zwischen den beiden Grenzstationen. Zu unserem Glück standen die Trucks vor allem in Richtung Bolivien dicht an dicht. Wir als Touristen dürfen alle Formalitäten in einem gemeinsamen Gebäude, fünf Kilometer Richtung Chile, vom Grenzposten der Bolivianer aus gesehen, machen.


Da auch die Busse dort abgefertigt werden, und sich dann nicht mehr auf der zweispurigen Straße hinter den Lastern einreihen wollen, kommen sie uns auf unserer Spur entgegen. Wir schlängeln uns durch, als sich Bus- und Truckfahrer nicht einigen können, und haben den Rest der Strecke zum Grenzgebäude freie Fahrt.


Das Gebäude ist ziemlich neu und modern, und etwas unübersichtlich. Wir sollen nicht der Spur für Privatfahrzeuge folgen, bedeutet man uns, sondern der Busspur. OK.


Ich bekomme schnell die Stempel für Ausreise und auch die Zollformulare für das Motorrad zur Ausreise sind in wenigen Minuten fertig. Man bekommt einen Zettel mit sechs Feldern, und wenn jedes Feld seinen Stempel bekommen hat, ist man fertig. So weit so gut. Den Stempel für die Bolivianische “Ein- und Ausfuhr von Waren”-Seite brauche ich nicht, sagt man mir. also Einreise Chile. Wieder bekomme ich den Stempel in Heikes Pass, ohne dass sie den Beiwagen verlassen muss. Wunderbar. Und kein bisschen von “Deutscher als die Deutschen”, was man den Chilenen hier gern nachsagt.


Weiter zum Zoll. Da ist keiner. Nein ich muss erst zur SONAT oder so ähnlich, der Herr kommt gerade schon um die Ecke, dann ist doch die grummelige Dame für mich zuständig. Sie folgt mir unwillig nach draußen, und bereitet mich schon mal darauf vor, dass alles Gepäck durch den Scanner muss. ich schlucke, und frage höflich, “Alles?” Natürlich alles. Ich sage nur “A ver…”, Mal sehen…


Sie gibt nicht nach, und ich beginne also, die Koffer abzunehmen, alle Säcke runter, und hoffe, dass sie nicht auf die Idee kommt, da könnte neben Heike auch noch Gepäck im Seitenwagen sein.


Doch meine Rettung naht in Form von ungefähr fünf Motorrad-interessierten Kollegen der grummeligen Dame. Plötzlich lässt sich die Sache auch durch Sichtprüfung ausgewählter Stücke und eingehende Befragung der Form: “Irgendetwas frisches an Proviant?” erledigen. Natürlich haben wir nichts friosches dabei. Wir haben uns ja vorab informiert, und wissen, dass man nach Chile kein Obst, kein Gemüse, kein Fleisch, keine Samen, und was nicht alles noch nicht einführen darf. Also haben wir alles rechtzeitig aufgegessen, und es gibt nur noch abgepackte Chips, Erdnüsse, Müsliriegel im Proviant. Ich bekomme den Stempel, und rödele erst Koffer und Gepäckrollen wieder auf, bevor ich zum Zoll gehe, um die Einreise unserer Dicken durchzuführen.


Auch wenn das am Ende schnell geht, hat Heike in der Zwischenzeit ordentlich angefangen zu frieren, und ist froh, als die Heizung wieder an geht.


Auf der Chilenischen Seite erreicht man nach kurzer Zeit den Lago Chungara, mit irgendetwas über 4000 Metern angeblich der höchstgelegene See der Welt. Ob höchst gelegen oder nicht, der Blick über den See auf den 6330 Meter hohen Vulkan Parinacota ist atemberaubend schön. Wir sehen den Parinacota noch als Hintergrund anderer Landschaften. Kleine Lagunen in schwarzem Gestein. Geröllhalden, die sich wie Mondlandschaften auftürmen. Wir kommen kaum vorwärts, so viele Fotostopps wie wir einlegen. Und dabei ist es doch so kalt hier oben! Ein fieser Wind pfeift uns um die Ohren.


Wir schlängeln uns durch den oberen Teil der Ruta del Desierto, die den Namen wirklich verdient. Eine große Vielfalt an Wüstenlandschaften sehen wir auf dem Weg, und die riesigen Dünen, die uns umgeben, kurz bevor sich die Landschaft zum Meer hin öffnet, machen uns Staunen.


Arica ist das übliche, was man in Grenznähe von einer Stadt erwartet. Zudem ist Sonntag, und fast alle Geschäfte haben zu. Wir suchen etwa eine Stunde nach einer Unterkunft, die nicht unser Budget sprengt. Das Prat geht vom Preis her gerade so, wir haben einen sicheren Parkplatz, und das Wasser in der Dusche ist heiß. Das war es dann aber auch schon so ziemlich. 


Unser Abendessen ist karg, keine kulinarische Offenbarung. Wir überlegen, uns ein Bier zum Mitnehmen in einer Bar zu holen, weil die allgegenwärtigen Minimarkets, die einzigen Geschäfte, die jetzt auf haben, keinen Alkohol verkaufen dürfen, wir aber nicht in der lauten Bar sitzen mögen. Der Barkeeper ist sich offenbar selbst der beste Gast, und sturzbetrunken. Wir versuchen es woanders, die Barkeeperin ist nett, und bittet mich nur, die Flasche schnell in meinem schwarzen Beutel verschwinden zu lassen, damit die Polizei nichts sieht.


Die Peruanische SIM-Karte kommt wieder ins Handy, denn sie soll in Chile und Argentinien (und einigen anderen Ländern, die wir aber schon passiert haben) ohne zusätzliche Gebühren roamingfähig sein. Ich habe so meine Probleme, die Sache zum Laufen zu bringen, am Ende scheint es aber doch zu gehen.


Soweit unser erster Tag in Chile, Ihr Lieben. Wir sind etwas ernüchtert, und hoffen einfach, dass wir uns in den folgenden Tagen besser in diesem neuen Land zurecht finden.

Eintrag erstellt am Montag, 5. August 2019

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